Skip links

The seventh year of the successful international Janáček Brno festival will start in the autumn of 2020. In order to shorten your long waiting time, we have prepared a series of preview events and concerts this year.

Als Vorgeschmack auf die siebte Auflage des Festivals wird nach zweijähriger Unterbrechung die sehr erfolgreiche Inszenierung von Janáčeks Jenůfa unter der Regie von Martin Glaser und in der musikalischen Einstudierung von Marko Ivanović ins Repertoire des Opernensembles zurückkehren.

Das Nationaltheater Brno ist an dem internationalen Projekt OperaVision beteiligt und wird gerade mit der Inszenierung von Jenůfa einen weiteren Beitrag zu diesem Projekt anbieten, der ein wirklich weltweites Publikum mit dem Werk Janáčeks bekannt macht. Der Livestream von OperaVision beginnt am 2. Oktober 2019 mit einem Block von drei Aufführungen der Oper Jenůfa.

Die Grundlage für Janáčeks berühmteste Oper bildete ein realistisches Drama von Gabriela Preissová, welches der Komponist selbst zum Opernlibretto umarbeitete. Obgleich er den Text des Schauspiels deutlich kürzen musste, gelang es ihm, eine noch tiefere Wirkung der tragischen Geschichte aus der mährischen Provinz zu erzielen. Der verschwenderische und unbeständige Števa, der ungestüme und doch in seinem Herzen liebevolle Laca und vor allem die unerbittliche Küsterin, welche in der Bemühung, sich ihre Stellung und den Respekt der Dorfgemeinschaft zu erhalten, auch vor der Tötung des Kindes ihrer Ziehtochter Jenůfa nicht zurückschreckt – Janáček beschreibt die einzelnen Charaktere in meisterhafter dramatischer Verkürzung, die den Zuschauer frösteln lässt, doch gleichzeitig Mitgefühl und Verständnis weckt.      

Buryjovka: Jitka Zerhauová Laca Klemeň: Peter Berger j. h., Jaroslav Březina j. h. Števa Buryja: Tomáš Juhás j. h., Aleš Voráček j. h. Kostelnička: Veronika Hajnová Fialová, Szilvia Rálik j. h. Jenůfa: Pavla Vykopalová, Maida Hundeling j. h. Stárek: Ivan Kusnjer j. h. Rychtář: Ladislav Mlejnek Rychtářka: Jana Hrochová Karolka: Eva Štěrbová j. h. Pastuchyňa: Jitka Klečanská Barena: Lenka Schallenberger j. h. Jana: Martina Mádlová Aunt: Ivona Špičková

1. Akt Die anmutige Jenůfa befürchtet, dass ihr Liebhaber Števa zum Militär eingezogen wird. Sie erwartet ein Kind von ihm, und die Rekrutierung würde die vorzubereitende Hochzeit vereiteln. Auch Števas halbbruder Laca wirbt um Jenůfa und neckt sie wegen Števa. Der angetrunkene Števa kommt mit seinen Freunden und mit Musikanten in die Mühle – er hat mit anderen Rekruten die Nichteinberufung gefeiert, wobei viel getrunken worden ist. Jenůfas strenge Pflegemutter Kostelnička (dt. Küsterin) sieht die frohe Gesellschaft mit Števa. Vor allen Anwesenden erklärt sie, dass sie die Hochzeit zwischen Jenůfa und Števa erst nach einer einjährigen Prüfung billigen wird, während der sich Števa nicht betrinken darf. Laca versucht Jenůfa zu überzeugen, dass Števa sie nur wegen ihrer Schönheit liebt, und im Streit verletzt er sie mit seinem Messer im Gesicht. 2. Akt Kostelnička versteckt Jenůfa zu Hause, um der Schande zu entgehen, und behauptet, dass das Mädchen in Wien arbeite. Jenůfa hat mittlerweile einen Sohn zur Welt gebracht. Während Jenůfa schläft,  erniedrigt sich Kostelnička vor Števa und bittet ihn, Jenůfa zu heiraten. Dieser sagt aber, dass ihm Jenůfa mit ihrem zerschnittenen Gesicht nicht mehr gefalle und er außerdem bereits mit der Tochter des Dorfrichters verlobt sei. Dann erscheint Laca und bittet Kostelnička, ihm Jenůfa zur Ehe zu geben. Als ihm aber Kostelnička gesteht, dass Jenůfa Števas Kind geboren hat, ist er bestürzt. Sein Schwanken erkennend, lügt die verzweifelte Kostelnička, dass das Kind gleich nach der Geburt gestorben sei. Sobald Laca fort ist, ertränkt Kostelnička das Kind in einem eisigen Fluss und redet Jenůfa ein, dass sie zwei Tage im Fieber geschlafen habe und der Junge inzwischen gestorben sei. Die gequälte Jenůfa willigt in die Heirat mit Laca ein. 3. Akt Während der Vorbereitungen zur Trauung von Jenůfa und Laca kommt die Nachricht, dass man im Fluss eine Kindesleiche gefunden habe. Jenůfa erkennt die Mütze ihres Söhnchens und wird des Mordes  erdächtigt. Kostelnička gesteht vor allen ihre Tat. Ehe sie vom Dorfrichter weggeführt wird, vergibt Jenůfa ihr, weil sie versteht, dass ihre Stiefmutter es nur aus Liebe zu ihr getan hat. Jenůfa glaubt nicht, dass Laca sie noch zur Frau möchte, und schickt ihn weg. Laca verspricht ihr aber, auch in schlechten Zeiten an ihrer Seite zu stehen. Jenůfa begreift , dass sie in ihm ihre wahre Liebe gefunden hat, „mit welcher der Herrgott zufrieden ist“.

Tickets

Im Rahmen des Konzerts wird erstmals Janáčeks neu instandgesetzter Ehrbar-Flügel zu erleben sein, der im Jahr 2018 in der Wiener Werkstatt von Gert Hecher eine aufwendige und umfassende Restaurierung durchlaufen hat.

Nach einer sehr radikalen und nicht sonderlich gelungenen Reparatur in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts wurde das Instrument nunmehr wieder in den Zustand des Jahres 1881 zurückversetzt, als es der junge Leoš Janáček als Hochzeitsgeschenk von seinem Schwiegervater Emilian Schulz erhielt. In jener Zeit gehörte dieses Instrument zum Besten, was die Klavierbauer anzubieten hatten, und stellte mit seinem Preis von 1000 Gulden, der dem Jahresgehalt Janáčeks an der Lehrerbildungsanstalt entsprach, ein überaus großzügiges Geschenk dar. Janáček blieb diesem Flügel sein Leben lang treu, wenngleich er aus dem Jahr 1876 stammte und damit noch die Wiener Mechanik anstelle der moderneren englischen Mechanik besaß. An diesem Instrument komponierte er die meisten seiner Werke, darunter auch die wenigen reinen Klavierwerke. Gerade an diesem Abend werden wir drei der bedeutendsten Klavierkompositionen Janáčeks hören, die er in der relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1900 und 1912 schuf.

Der poetische Klavierzyklus Auf verwachsenem Pfade entstand schrittweise in den Jahren 1900, 1908 und 1911. Die fünf Kompositionen der ersten Reihe dieses Zyklus schrieb Janáček im Jahr 1900. Sie erschienen als kleine Stücke für Harmonium in den Slawischen Melodien, die der Lehrer Emil Kolář aus Ivančice in Heftform herausgab. Um die Verbreitung dieses Zyklus machte sich der Redakteur Jan Branberger verdient, indem er im Jahr 1908 bei dem Prager Verleger Bedřich Kočí die Publikation der Stücke in Auftrag gab. Das Interesse des Verlegers an den bestehenden Kompositionen bewegte Janáček zum Schreiben weiterer Teile, so dass der Zyklus nunmehr zehn Stücke umfasste, denen der Komponist poetische Namen gab. Die Veröffentlichung kam jedoch nicht zustande, und nachdem auch der Verleger Mojmír Urbánek die Herausgabe abgelehnt hatte, wurde der gesamte Zyklus erst 1911 von Antonín Píša publiziert. Als weiterer Titel erklingt das Klavierstück 1. X. 1905 („Von der Straße“). Dieses Werk entstand spontan als Reaktion auf eine Tragödie, die sich während der Demonstrationen für eine tschechische Universität in Brünn ereignet hatte. Nach jahrelangen Bemühungen um den Aufbau eines tschechischen Hochschulwesens in der Stadt hatte die Regierung entschieden, dass die Bürger Brünns selbst über eine tschechische Universität abstimmen sollten. Die überwiegend deutschsprachigen Einwohner der Stadt befürchteten jedoch einen größeren tschechischen Einfluss, so dass ihre Repräsentanten für den 1. Oktober 1905 einen sog. Volkstag einberiefen, bei dem deutsche Vereine und Institutionen aus der ganzen weiteren Umgebung ihren Widerstand gegen die Gründung einer tschechischen Universität in Brünn kundtun sollten. Als Reaktion darauf organisierten die tschechischen Einwohner der Stadt eine große antideutsche Demonstration. Die beiden Lager lieferten sich Straßenkämpfe, gegen die die Gendarmerie und schließlich auch die Armee einschritt. Bei einem dieser Einsätze wurde in der Nähe des Gemeinschaftshauses der junge tschechische Arbeiter František Pavlík getötet. Unter dem Eindruck dieses tragischen Ereignisses schrieb Janáček sein ursprünglich dreisätziges Werk Von der Straße 1. X. 1905. Unmittelbar vor der Brünner Uraufführung am 27. Januar 1906 verbrannte er jedoch den letzten Satz, und nach einer weiteren Aufführung in Prag warf er gar das gesamte Manuskript in die Moldau. Glücklicherweise bewahrte die erste Interpretin des Stückes, die Pianistin Ludmila Tučková, ihre Abschrift der ursprünglichen Version auf, was sie erst 1924 bekannt machte. So ist dieses von seinem Schöpfer wie auch der Musikwelt für viele Jahre vergessene Klavierwerk der Nachwelt erhalten geblieben. Den Klavierzyklus Im Nebel vollendete Janáček im April 1912. Kurz zuvor, im Jahr 1910, war er mit seiner Gattin und der Haushälterin in ein neues Häuschen im Garten der Orgelschule umgezogen, wo er, von der Welt abgeschirmt, mit angegriffenem Selbstbewusstsein und melancholischen Stimmungen hingegeben, sein letztes umfangreicheres Werk für Soloklavier komponierte. Die Arbeit an dem Stück nahm er auf, nachdem er kurz zuvor die Klavierwerke des französischen Komponisten Claude Debussy gehört hatte, und so ist es kein Zufall, dass sein träumerisches, melancholisches Werk Elemente des Impressionismus zeigt. Der Zyklus Im Nebel errang den ersten Preis in einem Kompositionswettbewerb des Klubs der Kunstfreunde, welcher die siegreiche Komposition hätte publizieren sollen. Janáček überließ diese Möglichkeit jedoch seinem Schüler Jaroslav Kvapil, dem zweiten Preisträger des Wettbewerbs. Der Zyklus Im Nebel erklang in der Interpretation Marie Dvořákovás erstmals am 7. Dezember 1913 in Kroměříž.

Tickets

Janáčeks Werk in Verbindung gerade mit jenem
Theaterbau kennen zu lernen, das seinen Namen trägt.

Im Herbst 2019 werden die Vorbereitungen für das siebte Janáček-Festival ihren Höhepunkt erreichen, doch noch bevor dessen Programm vorgestellt wird, bietet die Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno alle Interessenten eine besondere Gelegenheit, Janáčeks Werk in Verbindung gerade mit jenem Theaterbau kennen zu lernen, das seinen Namen trägt. Am 27. November 2019 wird ein Tag der offenen Tür stattfinden, der es den Besuchern ermöglicht, unser Theater auf eine ganz neue Weise vom Foyer bis in die geheimsten Winkel hinter den Kulissen zu erkunden, wo so manche musikalische oder theatralische Überraschung wartet, die die Mitglieder des Opernensembles vorbereitet haben.

Tickets

„Jetzt habe ich etwas Schönes zu schreiben begonnen. Darin wird unser Leben sein. Es wird Liebesbriefe heißen.“

Das Streichquartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello „Intime Briefe“ entstand im Januar und Februar 1928, also in Leoš Janáčeks letztem Lebensjahr und kurz vor Bartóks Streichquartett Nr. 4. Die Komposition ist eine Huldigung an Janáčeks Freundin und Muse Kamila Stösslova. In einem seiner zahlreichen Briefe beschrieb er ihr den Beginn der Arbeit an der neuen Komposition: „Jetzt habe ich etwas Schönes zu schreiben begonnen. Darin wird unser Leben sein. Es wird Liebesbriefe heißen. Ich denke, es wird entzückend klingen. Schließlich haben wir schon so viele nette Erlebnisse gehabt! Da sind Feuer in meiner Seele, die sie zu den schönsten Melodien entzünden werden … Das Ganze wird von einem besonderen Instrument zusammengehalten. Es heißt Viola d’amore – Viola der Liebe.“ 

Janáček schieb den Bratschenpart tatsächlich für dieses altertümliche Instrument, das er bereits zuvor in den Partituren der Opern Schicksal und Katja Kabanowa eingesetzt hatte. Während der Proben für die erste Aufführung im Mai 1928 verzichtete er jedoch offensichtlich zum Teil auf die Verwendung der Viola d’amore. Auch den ursprünglich vorgesehenen Titel „Liebesbriefe“ änderte Janáček später in „Intime Briefe“ ab. Für die Premiere seines Werks hatte Janáček, wie schon zuvor bei seinem 1. Streichquartett, das Böhmische Quartett vorgesehen, doch hätte dieses mit der Einstudierung erst in den Sommerferien beginnen können. Janáček jedoch war ungeduldig, und so nahm das Mährische Quartett aus Brno bereits im Mai die Proben auf. Es war die Absicht des Komponisten, die Uraufführung im südböhmischen Písek stattfinden zu lassen, wo Kamila mit ihrer Familie lebte. Diese Pläne wurden jedoch durch Janáčeks unerwarteten Tod im August 1928 zunichte gemacht. Die erste Aufführung für ein Fachpublikum und Vertreter der Musikpresse veranstaltete das Mährische Quartett am 7. September 1928 im Gemeinschafshaus in Brno. Der Öffentlichkeit wurde das Werk im Rahmen der Ausstellung zeitgenössischer Kultur in der Tschechoslowakei am 11. September 1928 im Theatersaal de Brünner Messe präsentiert. In einem seiner Briefe an Kamila schrieb Janáček: „Weißt Du, oft ist das Gefühl für sich allein so mächtig und stark, dass sich die Noten darunter verstecken und davonlaufen. Große Liebe – schwache Komposition. Und ich hätte gerne: Große Liebe – großes Werk!“ Diese Prophezeiung Janáčeks hat sich zweifellos erfüllt.

Der ungarische Komponist, Pianist und Folklorist Béla Bartók (1881-1945) zählt zu den führenden Vertretern der Avantgarde der Zwanzigerjahre und zu den Klassikern der Musik des 20. Jahrhunderts. Die Grundlagen seiner musikalischen Ausbildung erwarb er sich in Pressburg, später studierte er Klavier und Komposition an der Musikakademie in Budapest. Seit seiner Jugend widmete er sich intensiv dem Studium der Volksmusik, zunächst vor allem der ungarischen, später jedoch auch der rumänischen, bulgarischen oder slowakischen, wodurch er wichtige Impulse für die Entwicklung seiner eigenen Kompositionstätigkeit erfuhr. Als Klaviervirtuose konzertierte er viel in den Kulturmetropolen Europas, aber auch in Amerika, wohin er 1940 angesichts der bedrohlichen Entwicklung in Europa emigrierte.
Janáček begegnete dem Namen des um eine Generation jüngeren Bartók erstmals beim Studium von Arnold Schönbergs Buch „Harmonielehre“, wo dieser Bartók seinem eigenen Komponistenumfeld zurechnet. Im Jahr 1923 erlebte Janáček dann in Prag bei einem Konzert des Vereins für zeitgenössische Musik eine Aufführung von Bartóks 1. Streichquartett und war von der Musik Bartóks so angetan, dass er als Vorsitzender des Klubs mährischer Komponisten in Brno später ein Klavierrezital Bartóks im Rahmen der Klubkonzerte initiierte. Nachdem Janáček persönlich am 16. Januar 1925 eine Einladung an Bartók geschickt hatte, fand dessen Konzert am 2. März 1925 in der Brünner Reduta statt. Bartók trug dabei nicht nur mehrere eigene Werke vor, sondern auch Kompositionen seines Landsmanns und Zeitgenossen Zoltán Kodály. Janáček und Bartók begegneten sich ein weiteres Mal am 16. Oktober 1927 anlässlich einer Aufführung von Bartóks 1. Klavierkonzert. Nach diesem Konzert sollen die beiden Komponisten miteinander so angeregt diskutiert haben, dass die übrigen Gesprächsteilnehmer durch dieses „Feuerwerk zweier herausragender Persönlichkeiten“ vollkommen an den Rand gedrängt wurden. Janáček wusste offensichtlich von Bartóks umfangreicher folkloristischer Sammeltätigkeit, der er früher selbst intensiv nachgegangen war.
Sein 4. Streichquartett schrieb Bartók von Juli bis September 1928 in Budapest, es entstand also in der Zeit von Janáčeks Tod. Über den Anlass zu diesem Werk ist wenig bekannt, doch entstand es in enger zeitlicher Nachbarschaft zu seinem 3. Streichquartett und stellt wie dieses in seinem harmonischen Ansatz eine Reaktion auf Alban Bergs Lyrische Suite dar. Von seiner formalen Seite wiederum nimmt es das Streichquartett Nr. 5 vorweg, indem es die Problematik der Sonatenform mit fünf symmetrisch angeordneten Sätzen angeht. Bartók widmete seine Komposition dem Pro Arte Quartet, ihre erste öffentliche Aufführung erfolgte jedoch am 22. Februar 1929 in London und anschließend am 20. März 1929 in einer Einstudierung des Waldbauer-Kerpely Quartet.

Tickets

Tickets